Union der Basiszüchter g.e.V.
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Erfahrungen mit der Basiszucht

Oft braucht es neben dem Verstehen Berichte über Erfahrungen anderer, um etwas Neues auszuprobieren. Die hier eingestellten Texte von Basiszüchtern sollen die praktische Seite aus der Sicht des Einzelnen schildern, aber auch über Erlebnisse und Erfahrungen mit den Bienen berichten, die auf den ersten Blick scheinbar nichts mit Basiszucht zu tun haben, aber doch das Wesen der Bienen beleuchten. Der Basiszüchter will ja die Lebensäußerungen der Bienen in sein imkerliches Handeln integrieren. Anstatt diese Lebensäußerungen zu unterdrücken, werden unliebsame Eigenschaften wie zum Beispiel Stechlust oder Schwarmfreudigkeit über die Selektion verändert.

Stille Umweiselung

von Klaus Thurmann

In Vorträgen, Semiaren und der Fachpresse findet man immer wieder die beiden folgenden Aussagen als zwei der Grundvoraussetzungen einer modernen Imkerei:
Es sollen keine schwachen oder schwächelnden Völker eingewintert werden, weil sie im Winter eher verloren gehen können als starke. Außerdem sollen, je nach Autor jedes Jahr oder alle zwei Jahre, die Königinnen der Wirtschaftsvölker durch junge Königinnen ersetzt werden.

Hier möchte ich einmal erzählen, was geschehen kann, wenn man anders mit seinen Bienen umgeht:

Im Jahr 2005 hatte ich einen Ableger erstellt, aus dem im Folgejahr ein wirklich schönes Volk wurde: kräftig, harmonisch, gesund. Es wollte weder in diesem noch in den Folgejahren schwärmen und brachte gut Honig. Ich möchte sagen: dieses Volk hatte Ausstrahlung und es machte einfach Freude.

Im Sommer 2008 hatte ich den Eindruck, dass irgendetwas mit diesem Volk nicht stimmte: Sein Elan hatte nachgelassen, das Brutnest war kleiner als in den Jahren zuvor und das Futter wurde zögerlicher abgenommen. Obwohl keine Anzeichen von Krankheit zu sehen waren, vermutete ich, dass es nicht ganz gesund war. Ich wußte einfach nicht, was los war. Aus Zaudern habe ich den Dingen schließlich ihren Lauf gelassen und das Volk entgegen der oben genannten Forderungen eingewintert, wie es war.

Im Frühjahr 2009 erlebte ich dann eine große Freude: Bei der ersten Durchsicht Anfang April war das Volk noch da! Brut war vorhanden und – da lief auch die Königin! Aber sie hatte ihr Zeichenschild verloren! Das Volk hatte genug Futter, so dass ich es zunächst in Ruhe gelassen habe. Natürlich habe ich mir vorgenommen, das Schild demnächst zu ersetzen.

Gut drei Wochen später musste das Volk erweitert werden. Es zeigte sich wieder in der gewohnten Stärke und Emsigkeit und, wie sich bald herausstellte, ohne jeden Schwarmtrieb. Bei der Durchsicht fand ich bald die Königin – und sie trug ihr Zeichenplättchen! Bei weiterer Durchsicht fand ich dann auch eine junge Königin ohne Plättchen. Offensichtlich hatte das Volk im letzten Sommer still umgeweiselt! Also, es hatte selbst gemerkt, dass seine Königin nachließ und hat sich ohne zu schwärmen eine neue gezogen, ohne die alte Mutter abzuschaffen. Diese war noch bis Mitte Juni mit einem eigenen kleinen Brutnest im Randbereich des Brutraumes in der Beute.

Dieses Volk hat mich mit seiner stillen Umweiselung ins Nachdenken gebracht: Wie oft mag ich aufgrund meines Unwissens solche Prozesse gestört oder verhindert haben? Was richten wir an, wenn wir nach Zeitplan (alle ein oder zwei Jahre) die Königin austauschen? Kommen wir nicht zu immer kurzlebigeren Bienen, wenn wir die Langlebigkeit nicht mehr zulassen und fördern, indem wir von Völkern mit langlebiger Königin – und somit wohl auch Arbeiterinnen – ein oder zwei Jahre länger nachziehen und somit mehr Nachkommen erhalten als von Völkern mit kürzer lebenden Königinnen? Und verdrängen wir durch dieses mechanische Austauschen der Königin nicht die Möglichkeit der stillen Umweiselung aus unseren Völkern? Mit dem Ergebnis einer arbeitsaufwendigeren Imkerei, weil wir austauschen müssen? Und das nennen wir „modernes Imkern“?

Jedenfalls habe ich nach diesem Erlebnis richtig tief verstanden, was Golz meinte, wenn er seine still umweiselnden Völker als seine Goldkörner bezeichnete.

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