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Auf Wald- und Moorständen – Imkern im Herzen der Landschaft

„Auf Wald- und Moorständen – Imkern im Herzen der Landschaft“ ist eine Schrift von Wolfgang Golz, die er im Jahre 1990 im Selbstverlag herausgegeben hat. Ursprünglich war das eine Folge von 12 Aufsätzen, die 1985 in der „Nordwestdeutschen Imkerzeitung“ durch das Jahr geführt haben. Darin erzählt er, oft in wunderbar poetischer Weise, von seinen Bienen, von der Landschaft, in der sie Nektar und Honigtau sammeln und von seinem Imkern und Züchten.

Hier mögen diese Texte nun noch einmal durch das Jahr führen, hier und da von Jörg Hinnerks mit kleinen Anmerkungen versehen.

 

 
 

April

Holunder deckt sein geiles Blatt
auf morscher Mauer stumpfen Stein,
und alles stellt sich wieder ein,
das hier ureig 'ne Heimstatt hat
und wächst und blüht für sich allein.

 

Die alte Ziegelei

Die alte Ziegelei liegt einsam und verlassen da.

Ein Konzern hatte sie vor Jahren aufgekauft. Das bedeutete das Ende der Produktion in ihren Mauern.

„Dort verwildert nun alles“, sagen die Leute.

Holunderbüsche sind vor den alten Mauern hochgeschossen und breiten ihr Blattwerk gnädig darüber. Auf dem lehmigen Boden hat sich Schwedenklee breitgemacht, von Kratzdisteln durchsetzt. Birken, Espen und Weiden schießen empor und umringen das Gebäude.

In den Fugen der Hofpflasterung siedelte sich Rainfarn an und überdeckt die Steine mit seinen würzigen Blättern.

Hier und da erblickt man den Schössling eines wilden Apfelbaumes.

Aus dem einstigen Garten des Ziegeleimeisters ist ein Gestrüpp aus Sauerkirschen hervorgegangen.

Im Windschutz der alten Werkhalle habe ich meinen Stand unter einem großen Weidenbusch aufgeschlagen. Es sind Sumpfweiden, die hier vornehmlich wachsen, erstrecken sich doch die ehemaligen Lehmkuhlen bis an die Ziegelei.

Kaum ein Stück Wasserfläche ist zu erspähen, so dicht ist alles mit Schilf und Weidenbüschen bestanden. Gelegentlich dringt aus der Undurchdringlichkeit des Dickichts der Lockruf eines Teichhuhns hervor oder das Flügelschlagen einer sich brüstenden Ente.

Im Sommer hält das Schwatzen des Teichrohrsängers den ganzen Tag über an.

Die Sumpfweiden haben es nicht so eilig, ihre Schätze an Pollen und Nektar preiszugeben. Gerade darum sind sie hier die wertvollsten Frühblüher. Aber davor öffnet der Huflattich seine löwenzahnähnlichen Blüten, sich windgeschützt an die Ränder der Lehmkuhlen drückend.

Wasser und Entwicklungstracht vor der Haustür, entwickeln sich die Völker hier immer gut und risikolos. Aber sonst liegt die Ziegelei im freien Gelände, weht immer ein frischer Wind um die Oase aus Mauerwerk und Weidenbüschen.

Es ist ein ausgesprochener Frühtrachtstand, denn um die Ziegelei breiten sich Wiesen und Weiden aus, auf denen im Mai ein Löwenzahnteppich erblüht. Aber nicht alle Flächen sind mehr so üppig mit Blüten übersät, seitdem die Bauern auch gegen den Löwenzahn chemische Mittel einsetzen, der von dem starken Stickstoffgehalt der Gülledüngung profitiert, während der Klee dadurch zurückgedrängt wird, der früher hier im reichen Maße blühte. Ein schlechter Tausch für Bienen und Imker, aber darüber können wir nicht entscheiden. Wir sind förmlich an die Entwicklung und Maßnahmen der Land- und Forstwirtschaft gekettet.

So hat sich die Trachtgrundlage im Laufe der letzten 20 Jahre grundlegend geändert. Durch die stärkere Verbreitung des Löwenzahns ist der Wert der Frühtracht gestiegen, während Ackerkräuter und Klee, die früher das Schwergewicht der Sommertracht bildeten, bedeutungslos geworden sind.

Trotzdem halte ich nichts davon, die Völker für die Frühtracht zu unterstützen, denn die Tautrachten fallen mehr und mehr für die verlorenen Blütentrachten im Sommer in die Waage.

So beschränkt sich meine Arbeit im April im Wesentlichen darauf, die Völker gut mit Futter versorgt zu sehen.

Wenn man eine gewisse Völkerzahl überschritten hat, macht man sich weniger Gedanken darum was aus dem einen oder anderen Volk, das nicht so recht vorwärts kommt, wird.

Anfang April findet im Grunde nur eine Kontrolle der Futtervorräte bei mir statt. Im April sollen ja die Völker „im Futter schwimmen“ können. Bei Futtermangel hilft jetzt nur eine kräftige Portion. Nachzufütternde Völker erhalten darum einen vollen 5-Liter-Kanister gereicht.

Bei Futtermangel hilft jetzt nur eine kräftige Portion

Foto: Der Verfasser

Es ist nicht zu vermeiden, dass eine jahreszeitig frühe Fütterung die Völker auch strapaziert. Auch zählen jene Völker, die nicht mit ihren Vorräten haushalten, gewöhnlich nicht zu den besten. Doch welcher Imker würde es jetzt übers Herz bringen, sich von ihnen zu trennen und sie ihrem Schicksal überlassen? Man kann solche Kandidaten notfalls später immer noch gut für die Bildung von Jungvölkern verwenden, indem sie Brut und Bienen dafür hergeben.

Den Anfänger wird es jetzt jucken zu erfahren, wie weit der Brutstand seiner Völker gediehen ist, ob sie alle eine legetüchtige Königin haben oder ob gar ein weiselloses Volk darunter ist. Ihn verlangt es danach, das alles zu sehen und festzustellen. Obgleich er dadurch nichts bezwecken kann, so wird man doch Verständnis für ihn aufbringen, während es befremdend wirkt, wenn „erfahrene“ Imker jedes Jahr ihre Völker auseinanderreißen, nur, um sie zu kontrollieren.

Die Frühjahrsnachschau ist bei der Längslagerbeute unkompliziert, schonungsvoll und rasch getan.

Die Futterversorgung ist gewöhnlich schon durch die Folie zu überblicken. Mit der auf die Folie gelegten Hand lassen sich Ausdehnung und Intensität der Bruterzeugung erfühlen. Der Flugbetrieb der Völker, die Anzahl und Stärke der Pollenhöschen ergänzen den Befund. Früher habe ich schwache oder weisellose Völker ausgeräumt, heute überlasse ich das getrost der Natur. Das sind in diesem Fall die kräftigen Nachbarvölker. Sie putzen die Waben sauber und ich brauche nachher nur noch den Wabenbau in alte und noch brauchbare Waben zu sortieren. Das ist sicher kein Rat für große Bienenstände, auf denen viele Völker zusammengeballt untergebracht sind, aber auf meinen kleinen Außenständen ist dabei noch nie eine Räuberei unter den stabilen Völkern ausgebrochen. Hier ist die geringe Anzahl von 5-6 Völkern eine ideale Lösung, (*Anmerkung) bei der es auch während der Aberntung zu keinen Problemen kommt. Ehe die Völker richtig mobil werden, ist man jeweils mit der Arbeit fertig. Eine Ausnahme machen dabei lediglich Völker mit Italiener-Abstammung. Und man mag sich darüber streiten, ob solche mehr zur Räuberei neigen oder ob sie, wie Bruder Adam sagt, findiger sind als andere Herkünfte. Jedenfalls sind sie, ähnlich wie beim Brutgeschäft, auch intensiver im Auskundschaften, und die Frage bleibt ungeklärt, ob es sich dabei um eine allgemeine Fertigkeit handelt, die alle Trachtmöglichkeiten einschließt oder um eine spezielle Neigung, wie etwa manche Völker helleren Honig liefern und andere dunklen. Um das herauszufinden, bräuchte es stichhaltige Beweise, aber der Praktiker begnügt sich damit, spezielle Eigenschaften vom Endresultat her zu beurteilen und einzustufen.

Dieser Stand ist einer der wenigen, auf dem sich die Nachzuchten der Buckfastvölker bei mir behauptet haben. Durch dunkle Honige weniger belastet, die Tracht vor der Tür, überwintern sie hier gut und stark und bringen ein erfreuliches Frühtrachtergebnis, ohne dem Imker viel Arbeit zu bereiten. Hier wird mir verständlich, warum diese Biene bei anderen Imkern beliebt ist. Würde ich alles ähnlich gelagerte Stände haben, hätte sie auch bei mir das Rennen machen können.

Aber auch auf diesem Stand ist ihr Verbleiben nicht gesichert, seit ich eine Carpatenkönigin in eines der Buckfastvölker einweiselte, die fortan die Spitze des Standes hält. Und es bleibt abzuwarten, ob ihre auf die Hälfte des Standes erweiterte Nachzucht die verbliebenen Buckfastvölker weiter überflügelt.

Das brachliegende, urige Gelände um die Ziegelei zieht auch andere Besucher an. Nicht selten helfen Jugendliche dem Verfall der alten Gebäude etwas nach. Die Bundeswehr bezieht hier ab und zu Stellung und im Herbst findet das große Entenschießen statt. Aber bisher sind meine Völker relativ gut dabei weggekommen. Wären hier Magazine aufgestellt, hätte ich sicher schon einige Türme wieder zusammensuchen müssen. So aber ist noch kein Volk ernstlich zu Schaden gekommen, denn an Standfestigkeit übertrifft die Längslagerbeute wohl alle anderen Beutentypen.

Aber oft gehört dieser Platz meinen Bienen und mir allein und all den gefiederten Bewohnern, die hier einen Lebensraum gefunden haben.

Die Völker haben hier ihren Ausflug nach Westen. Wenn man den häufigen Wind nicht rechnet, der von der Barriere des Buschdickichts abgehalten wird, ist das nicht die schlechteste Flugrichtung. Die kräftigere Nachmittagssonne fällt im Frühjahr voll auf den Stand, während die nahe Tracht die Völker früh weckt. Des Morgens vor dem Stand verklammte Bienen werden später wieder in der Sonne flügge.

So hat jeder Stand seine eigenen Voraussetzungen und es ist immer wieder interessant, den Jahresverlauf auf den einzelnen Ständen zu erleben und zu vergleichen.

Nicht allein der Ertrag macht den Wert eines solchen Standes aus. Oft sind es die kleinen Erlebnisse, die bei den Besuchen anfallen und lange in einem nachschwingen. Wie der Graureiher an den Teichen zum Fischfang einschwebt, wie die Fasanenhenne ihre Küken im Rainfarn versteckt, zu erleben, wie ein Flecken Erde ohne die Hand des Menschen zu einem Stück unberührter Natur wird, zu dem das Leben vielfältig wieder zurückkehrt, das vor dem Menschen weichen mußte, das ist beglückend und beschämend zugleich.

Anmerkung: Diese Vorgehensweise widerspricht einer heutigen guten imkerlichen Praxis; selbst wenn man die Gefahr der Räuberei unter den hier angesprochenen Bedingungen für gering halten kann, besteht doch immer die Möglichkeit, dass sich die gesunden Völker bei dieser „Arbeit“ mit eventuell in den schwachen Völkern vorhandenen Krankheiten infizieren.

Andererseits muss die Frage erlaubt sein, wieso Wolfgang Golz sich ein solches Verfahren erlauben konnte. Sollte er sich vielleicht doch Völker selektiert haben, die so robust und gesund waren, dass sie eine solche Infektion ohne offensichtliche Krankheitszeichen überwinden konnten?

Golz hat ja inmitten der Zeit der großen Nosemaverluste die Ansicht vertreten, dass die Anwendung von Medikamenten das Problem auf lange Sicht – verschärfe, nur Selektion, Zucht vitaler Bienen könne die (damaligen) Probleme lösen.

Sollte hier vielleicht auch der Schlüssel für die Lösung unserer heutigen Varroaprobleme zu finden sein? Oder sollte jemand ernsthaft überzeugt sein, dass die Biene mit der Varroa zum ersten Mal in ihrer mindestens 30 Millionen Jahre währenden Existenz von einem ihr neuen Parasiten bedroht ist? Können wir nicht vielmehr davon ausgehen, dass sie aufgrund ihrer – auch genetischen – Flexibiltät schon des öfteren mit neuen Parasiten und Krankheitserregern fertig geworden ist?

Es sei anschließend noch angemerkt, dass die Agrargifte, hier besonders die Neonicotinoide, die einzige wirklich neue Bedrohung darstellen, auf die die Biene keine Antwort finden kann.

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