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Auf Wald- und Moorständen – Imkern im Herzen der Landschaft

„Auf Wald- und Moorständen – Imkern im Herzen der Landschaft“ ist eine Schrift von Wolfgang Golz, die er im Jahre 1990 im Selbstverlag herausgegeben hat. Ursprünglich war das eine Folge von 12 Aufsätzen, die 1985 in der „Nordwestdeutschen Imkerzeitung“ durch das Jahr geführt haben. Darin erzählt er, oft in wunderbar poetischer Weise, von seinen Bienen, von der Landschaft, in der sie Nektar und Honigtau sammeln und von seinem Imkern und Züchten.

Hier mögen diese Texte nun noch einmal durch das Jahr führen, hier und da von Jörg Hinnerks mit kleinen Anmerkungen versehen.

 

 

Januar

In hohen Wipfeln wohnt der Wind
und stiebt die Flocken in den Wald,
wo Baum und Traum verwoben sind –
so zeitlos hier die Zeit verrinnt –
und nur ein Ruf des Spechtes hallt.

 

Im Altholz

Zwei Tage hat der Nordwestwind getobt und unerwünschte Schneisen in einzelne Fichtenbestände gebrochen. Nun hat er sich halbwegs beruhigt, während eine Schneeschauer nach der anderen den Wald in verwobene Dämmerung taucht, in der große Schneeflocken herabschweben.

Als ich zu meinem Stand im Altholz komme, um auch hier nach dem Rechten zu sehen, ist es relativ ruhig. Die hohen Bestände, die um die Lichtung stehen, auf der eine Schonung schon mannshoch aufgewachsen ist, schirmen den Wind nach allen Seiten ab, der sich oben in den wuchtigen Kronen wälzt. In der Randzone des lichten Altholzes steht der Stand zwischen mächtigen Buchen und Eichen.

Über mir ächzt und knarrt einer der Baumriesen, und als ich mehr gewohnheitsmäßig hoch schaue, durchfährt es mich plötzlich heiß! Die riesige Buche über mir hängt wie ein Damoklesschwert über dem Stand! Ich sehe erst einmal zu, dass ich aus der Gefahrenzone komme, ehe mir weitere Gedanken einfallen.

In den letzten Jahren war die Krone des Baumes lichter geworden, und im Sommer wuchsen die ersten Pilze an seinem Stamm, aber ich hatte mir noch keine Sorgen um seine Standfestigkeit gemacht. Jetzt zeigt der Stamm in halber Höhe einen starken Querriß im morschen Holz, der bei jeder Bewegung der gewaltigen Krone auf- und abschwankt! Der todgeweihte Riese pendelt über meinem Stand! Es dunkelt bereits, als ich dem Förster meine erschreckende Beobachtung berichte. Er verspricht mir, am nächsten Morgen gleich zur Stelle zu sein. Ich verbringe eine unruhige Nacht, aber zum Glück lässt der Wind weiter nach.

Pünktlich sind wir am nächsten Morgen dort. Der Baum steht noch, aber wohin soll er geworfen werden? In dem hohen Bestand bietet sich nur eine Möglichkeit an – hart am Bienenstand vorbei! Nach meinem Dafürhalten muss das Übergewicht des Baumes ihn direkt über den Stand werfen. Aber Förster Johanning ist sich seiner Sache sicher. Er führt den Schnitt selbst aus. Es ist erhebend und beklemmend zugleich, wie sich die handliche Maschine in den breiten Stamm frisst. Nicht lange, dann schwankt der Riese. Sein Stamm schmettert keine zwei Meter neben dem Stand nieder, während die Krone dahinter prasselnd zersplittert. Grinsend quittiert einer der Forstleute mein erschrockenes Gesicht. Ich spendiere Schnaps und Honig, ein schwerer Stein ist mir vom Herzen gefallen.

Einige Tage später wird der Baum zu Feuerholz zerlegt, zünden die Waldarbeiter vor dem Stand ein Feuerchen an, um sich zur Frühstückspause zu wärmen. Den Bienenvölkern macht das alles nicht viel aus, jedenfalls ist ihnen im Frühjahr nichts davon anzumerken.

Wenn die Hohltaube wieder im Altholz heult, wenn Stare und Dohlen in den glatten Buchenstämmen erneut die Baumhöhlen beziehen, die Bunt- und Schwarzspechte gezimmert haben, dann ist es auf diesem Stand noch relativ ruhig. Wohl haben die Völker keine Mühe, sich aus dem nahen Quellbach mit Wasser zu versorgen, aber das Angebot der Frühblüher ist keineswegs üppig. Hasel, einige Weidenbüsche, Sauerklee und der Pollen der Lärchen bilden das erste Angebot. Die Völker sitzen lange ruhig, wie es sich für gute Waldbienen gehört. Wer aber meint, diese Völker hätten in der Frühtracht nicht viel auszurichten, der irrt. Sie sind, aus einer guten Winterstärke heraus, schlagkräftig. Der Frühtrachtanteil des Standes, aus Löwenzahn bestehend, ist gut.

Die Völker hausen hier In den ältesten Längslagerbeuten, die noch ein oberes Flugloch besitzen. Nur dadurch, hatte mir mein alter Ratgeber damals erklärt, würden sie den Honig vielleicht nach hinten tragen. Später habe ich ein weiteres Flugloch unten ausgesägt, weil die Völker offensichtlich Schwierigkeiten mit der Belüftung der Beute hatten. So verkehren die Völker nun unten und oben, und auch die hölzernen Deckel liegen nicht mehr exakt auf. Die gute Belüftung wird aber von den Bienen nicht eingeschränkt, denn sie könnten ja einen Kittharzvorhang vor das Zuviel an Fluglochöffnung ziehen, wie sie das manchmal tun. Sie überwintern tadellos.

Nur einmal gab es ein Malheur, als sich dieser Stand noch auf einem Platz befand, der dem Ostwind ausgesetzt war. Es war im harten Winter 1978/79. Von fünf damaligen Völkern überwinterte ein Karpatenvolk ohne Schaden, ein zugeflogener Schwarm überlebte leidlich, drei Buckfastvölker gingen bereits um die Jahreswende an Ruhr zugrunde.

Das Karpatenvolk brachte in der Tautracht 1979 ein Rekordergebnis. Zuletzt war sein Brutraum mit Zementhonig gepflastert, aber es hatte noch spät einen guten Brutsatz. Ich fütterte lediglich einen Kanister Zuckerwasser drauf und ließ alles gewähren. Das Volk überwinterte abermals, ohne Schaden zu nehmen. Zwei bestandene Krisenwinter auf extremem Standort, ein Spitzenergebnis, große Schwarmträgheit und sein ruhiges Verhalten bei der Bearbeitung hoben es als Zuchtvolk hervor. So baute ich mit ihm die dezimierte Gruppe auf dem neu bezogenen Standort im Altholz wieder auf.

Heute sitzen hier die Nachkommen dieses Volkes in den Beuten.

Zur Frühtracht gebe ich ihnen lediglich den Honigraum frei und wenige Mittelwände im Brutraum. Vom Frühtrachthonig im Brutraum manchmal stark eingeschnürt, kann ich die schwarmträgen Völker ruhig sich selbst überlassen, ohne Honigwaben umzuhängen. Nach der Frühtracht schaffen sie sich selbst Platz für die Brutausdehnung und stapeln den Honig nach hinten. So wird er mit der nachfolgenden Tracht vermischt und bleibt für mich bis zum Ende der Saison schleuderfähig. Die Anpaarung mit der ortsüblichen Biene über die fortwährende Standbegattung hat diese Völker nicht wesentlich verändert. Zur stillen Umweiselung neigend, erledigen sie die Königinnenerneuerung oft selbst, und in manchen Sommern habe ich hier diesbezüglich nichts zu tun. Wir werden dieser Biene, die bei mir immer mehr an Bedeutung gewinnt, noch auf anderen Ständen begegnen, wenngleich ich auch von anderen Herkünften berichten werde.

Die gestürzte Buche hat ein weites Loch in dem alten Bestand hinterlassen. Für die Bienen ist es ein Vorteil. In der entstandenen Lücke können die Jungbienen uneingeschränkt ihre Kreise ziehen, ehe sie zu ihren Orientierungsflügen starten. Und die Sonne hat mehr Raum, die kleine Lichtung zu erwärmen – bis die Schonung vor dem Altholz in einigen Jahren hoch gewachsen sein wird. Dann werde ich, wenn auch schweren Herzens, den Stand verlegen müssen, denn ohne Sonne kann auch die härteste Biene bei uns im Norden nicht gedeihen.

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Gründer der Basiszucht Wolfgang Golz bei der Arbeit

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