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Auf Wald- und Moorständen – Imkern im Herzen der Landschaft

„Auf Wald- und Moorständen – Imkern im Herzen der Landschaft” ist eine Schrift von Wolfgang Golz, die er im Jahre 1990 im Selbstverlag herausgegeben hat. Ursprünglich war das eine Folge von 12 Aufsätzen, die 1985 in der „Nordwestdeutschen Imkerzeitung” durch das Jahr geführt haben. Darin erzählt er, oft in wunderbar poetischer Weise, von seinen Bienen, von der Landschaft, in der sie Nektar und Honigtau sammeln und von seinem Imkern und Züchten.

Hier mögen diese Texte nun noch einmal durch das Jahr führen, hier und da von Jörg Hinnerks mit kleinen Anmerkungen versehen.

 

 

Juni

Lilien leuchten gelb den Bach entlang,
denn kein Mähwerk bricht sie in der Morgenfrühe,
und es bleibt im Grase noch der hingewund'ne Gang
der Rehe, der von ganz allein gelang,
wie ein Wunder still geschieht und ohne Mühe.

 

Am Streek

Wo der Streek das von der Geest herabfließende Wasser mehrerer Rinnsale bündelt und gemächlich an einem Birkenwäldchen vorbeischiebt, ehe er in die Weite des Teufelsmoores sticht, steht, von Wiesen und Weiden umgeben, einer meiner ältesten Stände. Hier hat es nie ein Rekordergebnis gegeben, aber auch keine Missernten. Jahr für Jahr beschert der Stand ein zufriedenstellendes Ergebnis. Dieser Beständigkeit verdankt er sein Dauerdasein. Wenn starke Nordweststürme auf die deutsche Bucht drücken und die Hammeschleuse am Ende des Teufelsmoores geschlossen wird, tritt der Bach über seine Ufer und überschwemmt auch das Gelände des Birkenwäldchens. Im Winter ist das nicht weiter tragisch, aber einmal geschah es auch im Sommer und bescherte Tausenden von Flugbienen, die der Wind beim Anflug zu Boden gedrückt hatte, einen nassen Tod.

Wenn auch der gröbste Wind von den Birken aufgefangen wird, so bleibt doch das Kleinklima dieses Standes rauh. Der nasse Boden, mit hartem Schneidegras bestanden, strahlt Kühle aus.

Wie auf allen Moorständen, ist auch hier der Reiz zur Schwarmstimmung so viel größer als auf den Waldständen. Die Troiseck-Völker litten unter Nosema und wo sie erstarkten, unter heftiger Schwarmstimmung.

Erst als ich daranging, Zuchtgut eigener Auslese einzuweiseln, besserte sich der Bestand merklich. Dabei kam mir ein Volk zu Hilfe, das eine besonders starke Ausprägung zeigte und schließlich den Grundstock aller Völker des Standes bildete. Da seine Königin fünf Jahre alt wurde, weiselte ich in deren Verlauf alle Völker des Standes mit dem Zuchtgut der bewährten Mutter um.

Es war einer der ersten Stände, auf dem ich erfuhr, wie mütterliches Erbgut bei der Biene dominant genug ist, um der Auslese bei Standbegattung ohne den Gebrauch von Belegstellen Beständigkeit zu verleihen. (*Anmerkung 1)

Das Muttervolk vererbte Robustheit, Fleiß, Schwarmträgheit und Sanftmut. Nachkommen, die unruhiger waren, Stecher waren nicht darunter, wurden erneut umgeweiselt, und es erwuchs ein Bestand fleißiger, braver Völker, die kaum Arbeit machen. Die Völker sitzen im zeitigen Frühjahr lange still und erfreuen am Ende der Durchlenzung durch Schlagkraft und Beständigkeit.

Als ich gelegentlich eine Imkergruppe auf den Stand führte, hatte ich den Schmoker vergessen. Wir öffneten ohne Rauch alle Völker des Standes, begutachteten Brutstand und Vorräte bei ruhigem Verhalten der Völker.

Ähnlich verlief die Entwicklung auch auf anderen Ständen, und ich muß der Behauptung widersprechen, man könne nicht mit einem kleinen Bestand Zucht betreiben, denn gewöhnlich vermehre ich auf meinen Ständen das beste Volk des betreffenden Standes.

Wenn sich ein Volk über Jahre hinweg und besonders auch in seiner Nachzucht bewährt, so geschieht das in Übereinstimmung mit den Anforderungen seiner Umwelt.

Das Beispiel des überragenden Muttervolkes, das seine Eigenschaften gut weitervererbt, gilt für alle meine Stände, gleichgültig, wie viele fremde Stände in der Nachbarschaft existieren. Der Vorgang bleibt immer derselbe. Ein still umweiselndes Spitzenvolk wird zum Standmittelpunkt. Zunächst werden mit seinem Zuchtgut nur die Völker umgeweiselt, die zur Umweiselung anstehen, weil sie in Schwarmstimmung geraten sind, im Ertrag nicht befriedigen oder eine abgängige Königin haben. An den Erstnachzuchten zeigt sich die Vererbungsqualität des Muttervolkes. Trifft sie zu, wird folgerichtig von diesem Volk in den nächsten Jahren weitervermehrt. In der Regel sind in den Folgejahren Tochtervölker ähnlicher Qualität zu erwarten, mit stiller Umweiselungstendenz, die wenig Mühe machen und dem Stand zu verbessertem Besatz verhelfen, zumal die Minusabweichler immer wieder ausgeschieden werden.

Die Standbegattung hat einige ganz wesentliche Vorzüge, die lange vernachlässigt wurden. Es tritt keine Inzuchtschädigung auf. Vor allem aber kann sich der Züchter die Vorteile bodenständiger Anpassung zunutze machen, die seinem Bienenmaterial Beständigkeit verleiht, die so viel wichtiger als Reinrassigkeit ist.

Wenn am Streek nach der Blüte der späten Weidenarten auch der Löwenzahn verblüht ist, befliegen die Bienen in den Wiesen den Hahnenfuß. Er genügt, um das Brutgeschäft in Gang zu halten. Wilder Rotklee, Bullenklee nennen ihn die Bauern, schiebt nun seine dunkelroten Blütenköpfe im hochstrebenden Gras empor. Ihn werden die Bienen gern besuchen, seine Blütenröhren sind nicht so lang wie die der kultivierten Rotkleesorten.

Aber noch herrscht keine Tracht. Wildhimbeere und Faulbaum haben ihre Blüten noch nicht geöffnet. In der Trachtpause zwischen Früh- und Sommertracht geraten die Völker in eine brutreiche Phase. Jungbienennachwuchs drängt sich in den Gassen. Ein Teil der Flugbienen hängt abseits der Brutnesttemperatur beschäftigungslos unter dem Wabenbau.

Herrliche Brutplatten, von frischen, schmalen Honigkränzen gekrönt, strotzen in den Rähmchen. Das Brutnest ist von bunten Pollenbrettern flankiert, die Deckwaben sind schwer und voller Frühtrachthonig. Es bleibt den Völkern überlassen, den Honig bei wachsendem Brutdruck nach hinten zu tragen. Bei anhaltend schlechter Witterung wird auch ein Teil davon in Brut umgesetzt. Bei meinem großen Völkerbestand wird der Frühtrachthonig nicht extra geschleudert. Die Bienen vermischen ihn mit den Folgetrachten. So bleibt der Frühtrachtanteil bis zum Ende der Saison schleuderbar. Rapshonig fällt auf meinen Ständen nicht an.

Trotz der angeheizten Entwicklung rüsten die Völker am Streek nicht zum Schwärmen. So sind sie in der Lage, jedes Trachtangebot voll zu nutzen.

Heute bin ich nur auf den Stand gekommen, um mir ein Brutstück des Muttervolkes zu holen, um mit dessen Hilfe auf einem anderen Stand ein Volk umzuweiseln. Auch das kommt natürlich vor. Das Umweiseln mit der 2 x 9-Methode ist eine lang geübte Praxis, die sich jedes Jahr wieder bewährt. Ich suche mir ein Eistück einer frisch ausgebauten Wabe, das ich mit einem dünnklingigen Messer ausschneide. Es ist wichtig, dass es aus einer jungen Wabe kommt, damit die Pflegebienen die entstehenden Weiselnäpfe schnell ausformen können.

Am „Tatort” angekommen, entferne ich bei dem neun Tage weisellosen Volk alle Nachschaffungszellen. Dann schneide ich mein Eistück in zwei 15-20 mm breite Streifen. Diese klemme ich an zwei Stellen im Brutraum zwischen je zwei Trageleisten der Rähmchen. Da ich im Brutraum der breiteren Drohnenwaben wegen nur mit 16 Waben arbeite, bereitet das keine Schwierigkeiten.

Natürlich könnte ich auch eine ganze Wabe als Zuchtstoff, mit einem Bogenschnitt versehen, einhängen. Mit einem Brutstück, hier in Form der Streifen, habe ich die Möglichkeit, nur Eier oder jüngste Maden zu verwenden. Das erspart mir obendrein den Zwang, schon nach 9 Tagen zu erscheinen, in dem bei der Verwendung von Eiern die Königinnen (gleich alt) nicht vor 13 Tagen schlüpfen. Auch ist eine optimale Pflege der heranwachsenden Königinnen durch die Verabreichung der Eier in zartem Wabenbau gewährleistet. Wenn ich dann nach ca. 12 Tagen wiederkomme, kann ich schlüpfreife oder fast schlüpfreife Königinnen ernten und anderswo verwenden. Dem Umweiselungsvolk selbst verbleibt eine ausgesucht gute Weiselzelle, aus der seine künftige Stockmutter schlüpft. Ausflug und Begattung der Königin geschehen zu einer Zeit, in der das Volk bereits brutlos ist. Dadurch gibt es keine Probleme, weil das Volk nun auf eine junge, begattete Königin eingestellt ist. Somit ergibt sich eine Königinnenerneuerung, die in den stärksten Völkern klappt und die auf Ableger oder Begattungskästen verzichten kann.

Die Brutpause ist ein wahrer Gesundbrunnen für das Bienenvolk.

In der Varroa-Bekämpfung wird sie eine besondere Rolle spielen können, weil die Brutpause die Möglichkeit bietet, die Varroa vor der gefährlichsten Zeit des Krisenbefalls im Juli/August zu stoppen und zu bekämpfen und somit eine Schädigung der Winterbienen weitgehend zu vermeiden. Die Brutpause ist neben der Auslese eine zuverlässige biologische Waffe gegen alle seuchenhaften Erkrankungen der Biene. (Hervorhebungen aus dem Original übernommen.)

Im Leben des Bienenvolkes ist sie eine ganz natürliche Begleiterscheinung beim Königinnenwechsel. Schon das sollte uns zu denken geben.

Ein kurzfristiger Einsatz von Ameisensäure am Ende der Brutpause etwa nach Art der Illertissener Milbenplatte wäre denkbar. (Anmerkung: natürlich nur nach dem Abschleudern)

Dem Monat Juni gehört bei mir die Kontrolle der Völker auf Schwarmstimmung und der praktischen Auslese, in dem alle Völker, die nicht befriedigen, umgeweiselt werden. Solche, die in akute Schwarmstimmung geraten, werden automatisch im Verlauf ihrer Schwarmperiode durch schwarmträges Zuchtmaterial umgepolt, wie ich es zuvor beschrieben habe.

Entscheidend ist dabei, keine Termine zu verpassen, damit in der Zwischenzeit keine jungen Königinnen schlüpfen, bevor jede wilde Weiselzelle entfernt und der Zuchtstoff gereicht wird. Auf diese Weise lassen sich mit der 2 x 9-Methode alle Zufallsköniginnen ausschalten.

Aufgeklappte Golzbeute.jpg
Weiselzellennest.jpg
Mühelos und schnell geben Klappdeckel und Abdeckplatte der Längslagerbeute den Weg zu allen Brutraumwaben frei

Fotos: Der Verfasser


Völker mit solchen Weiselzellennestern haben in einem modernen Betrieb nichts zu suchen und sind mit dem Zuchtgut schwarmträger Völker umzuweiseln.

Die Standimkerei bietet für den Erwerbsimker die Möglichkeit, hohe Arbeitsspitzen zu vermeiden. Während der Mai der Honigraumfreigabe und der Bauerneuereung gilt, ist der Juni die Zeit der Kontrollen auf Schwarmstimmung und der Königinnenerneuerung. Im Juli gehört die Aufmerksamkeit den Jungvölkern und im August wird geerntet und aufgefüttert. Beim Rapsimker dagegen drängt sich ein großer Teil dieser Arbeiten in einer kurzen Zeitspanne zusammen.(*Anmerkung 2)

Bei allen Nachschauen ist mir auch meine Beute eine große Erleichterung. Mühelos und schnell geben Klappdeckel und Abdeckplatte der Längslagerbeute den Weg zu allen Brutraumwaben frei. Die meisten Breitwabenimker wissen auch nicht, wie viel leichter und schneller eine Hochwabe im Gegensatz zu einer Breitwabe zu bewegen ist. Der Breitwabenimker braucht in der Regel beide Hände, um eine Breitwabe zu fassen und zu halten.

Bei der Hochwabe bleibt das Gewicht immer unter der ziehenden Hand konzentriert. So ist die andere jeweils frei, um mit dem Schraubenzieher die Waben zu lösen oder anzuhebeln und beispielsweise angesetzte Weiselzellen zu entfernen. Das Wenden der Wabe, um ihre andere Seite in Augenschein zu nehmen, geschieht bei der Hochwabe im Nu aus dem Handgelenk heraus. So ist der Brutraum, wenn es nötig ist, schnell durchgesehen.

Auch kann man bei der genauen Kontrolle auf Nachschaffungszellen, nach Herausnahme von 2 bis 3 Waben, die Bienen jeweils mit einem Ruck von den Waben einfach in den Kasten stauchen, während der Honigraum abgedeckt bleibt und gar nicht berührt wird. Bei der Aberntung und Auffütterung wird dann umgekehrt der Brutraum zur ruhigen Zone. So behalten die Bienen bei der Bearbeitung immer einen abgedeckten, dunklen Raum, in den sie sich zurückziehen können, was wesentlich zum ruhigen Verhalten der Völker beiträgt, zumal auch niemals ein Volksteil zur Seite gesetzt wird.

Arbeitserleichterungen und die Verteilung der Arbeiten über die ganze Saison tragen wesentlich zur Rationalisierung des Betriebes bei.

Anmerkung 1: Wolfgang Golz hat beobachtet, dass oft – gegen seine Erwartungen – gute Eigenschaften seiner Völker in deren Nachzuchten bei Standbegattung über Generationen erhalten blieben, eine Erfahrung, die wohl die meisten Basiszüchter schon gemacht haben. Er versuchte sich diesen Vorgang mit einer „Dominanz des mütterlichen Erbgutes über das väterliche” zu erklären. Dabei stützte er sich auf Aussagen Bruder Adams, der bei seiner Zuchtarbeit ähnliche Beobachtungen gemacht hatte und diese durch den bei Armbruster zu findenden Begriff der „mütterlichen Dominanz” zu erklären suchte. Armbruster hatte nach der Entdeckung des haploiden Chromosomensatzes der Drohnen die Theorie entwickelt, dass nach der Reduktionsteilung beider Elterntiere doppelt so viele Chromosomen der Mutter vorlägen und daraus geschlossen, dass das mütterliche Erbgut das väterliche dominieren müsse. Als dann die Sache richtig gesehen wurde, dass eben beim Drohn überhaupt keine Reduktionsteilung mehr stattfindet, war dieser falsche Gedanke bereits von anderen aufgegriffen worden.

Von einer mütterlichen Dominanz im Sinne einer Überlegenheit der mütterlichen Erbanlagen über die der Drohnen kann also keine Rede sein. Aber: dass das Phänomen nicht erklärbar scheint bedeutet nicht, dass es nicht existiert!

In den folgenden Absätzen beschreibt Golz ja auch, dass er unter den Nachzuchten eines guten Volkes kritisch sichtet und alle, die ihm nicht gefallen, erneut umweiselt. Im Prinzip ist im vorliegenden Text das wesentliche der Basiszucht enthalten.

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Anmerkung 2: Auch hier sieht man wie bereits im Text zum Mai, dass sich die Tracht und damit auch die imkerlichen Arbeiten um zwei bis vier Wochen verfrüht haben, seit Wolfgang Golz diesen Text geschrieben hat.

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