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Auf Wald- und Moorständen – Imkern im Herzen der Landschaft

„Auf Wald- und Moorständen – Imkern im Herzen der Landschaft” ist eine Schrift von Wolfgang Golz, die er im Jahre 1990 im Selbstverlag herausgegeben hat. Ursprünglich war das eine Folge von 12 Aufsätzen, die 1985 in der „Nordwestdeutschen Imkerzeitung” durch das Jahr geführt haben. Darin erzählt er, oft in wunderbar poetischer Weise, von seinen Bienen, von der Landschaft, in der sie Nektar und Honigtau sammeln und von seinem Imkern und Züchten.

Hier mögen diese Texte nun noch einmal durch das Jahr führen, hier und da von Jörg Hinnerks mit kleinen Anmerkungen versehen.

 

 
 

Mai

Gräsermeere wogen sacht im Sonnenschein,
bunter Himmelsbogen schleust die Schauer ein.
Birkenduft im Maien, und der Kuckuck lacht,
Regenvögel schreien geisternd in der Nacht.
(aus „Teufelsmoorlied”)

 

Nr. 8

„Birkenduft im Maien, und der Kuckuck lacht” –

Wenn im Mai das Birkengrün aus den Zweigen quillt und schwarze Regenwolken ihre Fracht abgeladen haben, hinter denen unversehens ein Regenbogen aufflammt, während große Tropfen von den Bäumen klatschen und die schwarze Erde in der Sonne zu dampfen beginnt, dann ist auf einmal das Moor vom berauschenden Duft der Birken erfüllt. Für Augenblicke glaubt man sich in eine andere Welt versetzt.

Über den Imker, im Birkenbusch verborgen und an den Bienen beschäftigt, fährt der Kuckuck rufend und fauchend dahin und die Flugbienen, vom Regen in ihrer Arbeit unterbrochen, stürmen wieder aus den Beuten.

Der Stand, den eine schlichte Zahl bezeichnet, die eine Hofnummer wiedergibt, hätte einen weit schöneren Namen verdient. Aber unter dieser Bezeichnung haben wir ihn einst bezogen und wurde er in unseren Gesprächen geführt.

Wir, das waren mein imkerliches „Patenkind” Jan und ich, mit der Besonderheit, daß er dabei der Ältere war. Während ich von seinem handwerklichen Können profitierte und von seinem praktischen Geschick, für mich Probleme zu lösen, die für ihn keine waren, lernte er bei mir mit großen Völkern und Beuten zu imkern. Bis dahin hatte Jan in Hinterladern mit Querbau gearbeitet, mit viel Mühe und wenig Gewinn, bis er mir einmal über die Schulter schaute, einigermaßen verwirrt den Kopf schüttelte und meinte: „Das gibt es doch nicht!”

Eines Tages kamen wir überein, zusammen einen Stand einzurichten. Jan hatte sich inzwischen einige Längslagerbeuten gebaut und eine Reinzuchtkönigin besorgt, mit deren Nachwuchs er die Beuten besetzte. Wir fuhren einige meiner Völker dazu und dann konnte das gemeinsame Imkern losgehen.

Es war ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Wir waren beide Frühaufsteher. Die noch tief stehende Sonne durchstrahlte das junge Eichengrün. Das Gras vor dem Stand war noch klitschnass.

Und dann schlug plötzlich eine Nachtigall! Im Holunderdickicht verborgen perlte sie Strophe um Strophe in den Morgen. Wir wussten nicht wie uns geschah und blieben wie angewurzelt stehen.

Später, als wir schon an den Bienen arbeiteten, beobachteten wir, wie sich zwei Nachtigallen, dicht über den Waldboden huschend, verfolgten. Damals brüteten noch bis zu vier Paare auf dem Gelände des busch- und baumumfriedeten Hofes.

Der Stand liegt nur einen Steinwurf vom alten Bauernhaus entfernt, aber auf halber Strecke trennt eine hohe Tannenwand Bienen und Hausbewohner.

Jan hatte gemeint, vor den Tannen ständen die Bienen zu sehr in der prallen Sonne. So fliegen sie heute noch in Richtung Norden, wenn sie ihre Stöcke verlassen. Aber windgeschützt, wie der Stand ist, besitzt er ein gutes Kleinklima. Die Entwicklung der Völker verläuft hier immer erstaunlich gut.

An jenem Maientag waren wir gekommen, um die Völker umzuhängen, wie wir damals noch die Freigabe des Honigraumes nannten. Es war Ende Mai. Die Ablegervölker hatten etwas länger bis zur Honigraumreife gebraucht, aber jetzt strotzten sie voll Brut und Bienen. Die Löwenzahnblüte hatte sie tüchtig angeheizt. Die stärksten Völker, denen Jan bereits den Honigraum provisorisch freigegeben hatte, in dem er die Abschirmplatte auf die Hälfte des Honigraumes verlagerte, begannen bereits im Honigraum zu bauen. Wir ließen die Königin mit einigen Brutwaben vorn, vornehmlich solchen mit bald schlüpfender Brut und hängten die übrigen hinter das verbliebene Brutnest in den Honigraum.

Jan hatte für den Anfang einige ausgebaute Waben in die neuen Hochwabenrähmchen umgeschnitten. Das erwies sich als vorteilhaft, in dem die Königin ohne Unterbrechung auf ihnen weiterstiften konnte, bis weitere Mittelwände ausgebaut waren.

Es war eine Pracht zu sehen, wie ab Mitte Juni der Faulbaum honigte und die Völker ihre Honigräume füllten. Zwar kamen die F1-Völker im Laufe des Sommers alle in Schwarmstimmung, aber mit der 2 x 9-Methode behielten wir sie alle im Griff, und Jan machte die erste große Honigernte in seinem Leben. Fortan blieb ihm der Erfolg treu und durch seine Kontaktfreudigkeit hatte er nie Sorgen, seinen Honig loszuwerden.

Das ist oft ein wunder Punkt bei den Imkern, die sich zu sehr hinter ihren Bienen verschanzen und dann über fehlende Kunden klagen.

Heute sieht die Honigraumfreigabe bei mir anders aus. Einmal fällt die Löwenzahntracht mehr ins Gewicht, so dass ich bereits zu Beginn der Frühtracht den Honigraum öffne, zum anderen hänge ich seit mehr als zehn Jahren keine Brut mehr um. Nicht allein, weil das zur Frühtracht nicht ratsam ist, sondern die schwarmträgen Völker ersparen mir diese Arbeit. Auch während oder nach der Frühtracht wird am Brutnest nichts verändert, mit der einen Ausnahme, dass die zur Frühtracht im Brutraum gereichten Mittelwände, nachdem sie ausgebaut sind, in die Mitte des Brutnestes gehängt werden, um dafür die ältesten an den Außenseiten zu postieren, wo sie später leichter zu entnehmen sind.

Drei bis vier Mittelwände führe ich pro Volk in Transportkästen mit, in denen die Mittelwände keinen Schaden nehmen. Dazu ein Bündel leere Rähmchen. Aber der größte Teil des Innenraumes meines VW-Busses ist mit Honigboxen voll gestapelt.

Wenn ich auf den Hof gefahren komme, fängt der alte Schäferhund laut an zu bellen, aber aus seinem Ton vernimmt man, dass es nicht unfreundlich gemeint ist. Seit ich nach dem Tode meines lmkerfreundes den Stand übernommen habe, setze ich auch seine einstige Gepflogenheit fort, dem alten Wachhund etwas Leckeres mitzubringen.

Im Moor kann ich bei einigen Ständen nicht bis dicht an die Kästen heranfahren. Auch hier habe ich ca. 20 Meter zu überbrücken.

Ich packe Mittelwände, Leerrähmchen und Boxen hinter dem Stand in das Gras, zünde mir in Ruhe den Schmoker an und besehe mir die Völker erst einmal von vorn. An der Ausdunstungsnässe am Flugloch ist jetzt die Stärke der Völker schon von außen her zu unterscheiden. Die innere Verfassung der Völker interessiert mich jetzt auch nicht, denn meine Maßnahmen spielen sich zu dieser Zeit mehr am Rande des Volkes ab. Der Honigraum wird geöffnet und die Dämmplatte darin zurückgesetzt oder ganz entfernt. Wie stark das Absperrgitterschied belagert wird oder ob die Bienen auch schon etwas an der Dämmplatte genagt haben, das gibt mir Hinweis genug, wie jetzt der Honigraum zu bestücken ist. Starke Völker bekommen jetzt drei Honigboxen eingestellt, während ich die vierte dort fehlen lasse, wo zunächst der geringste Bienenbesatz zu erwarten ist und bei einem Kälterückschlag die unbelagerten Waben Kondenswasser aufnehmen würden. Ähnlich wird man bei der Verwendung von Einzelwaben verfahren und die kälteste Ecke zunächst unbesetzt lassen, es sei denn, man will auf Wanderschaft gehen und durch vollen Besatz ein Verrücken der Waben verhindern.

Völker, die noch nicht so stark sind, daß sie den Honigraum einigermaßen beherrschen, erhalten zunächst zwei Boxen und die Dämmplatte dahinter geschoben. Dasselbe kann man bei Einzelwaben erreichen, in dem man einige quer hinter das Absperrgitter stellt. Bei einsetzender Tracht nehmen die Völker diese Waben gern in Anspruch und bewahren so das Brutnest vor der Einschnürung, während gleichzeitig der Wärmeabfluss noch gut gebremst ist.

Im Brutraum wird nun die Lücke, die im Spätsommer an einer Seite oder auch an beiden durch die Entnahme von Honigwaben oder Leerwaben entstanden ist, geschlossen. Ist diese Lücke nicht vorhanden, weil ein Volk seinerzeit alle Waben noch stark beanspruchte, so kann diese jetzt leicht geschaffen werden. Die aussortierten Waben stelle ich in die beschriebene leere Ecke des Honigraumes, wo sie, weil nicht belagert, von den Bienen leer getragen werden. Nur keine Angst, wenn diese Waben noch etwas Winterfutter enthalten. Die Bienen tragen dieses garantiert nicht in die neuen Honigraumwaben, die sie zunächst putzen und trockenlecken. Ich reiche die Honigboxen immer feucht, wie sie im letzten Jahr aus der Schleuder kamen. Das lockt die Bienen mächtig in den Honigraum. Die meisten Völker haben sich im Brutraum bereits nach der Baulücke ausgestreckt. Sie wollen jetzt bauen, vor allem auch eine Drohnenwabe herunterziehen. Einige Völker haben auch schon damit begonnen. So muss ich beim ersten Volk ein schönes Drohnenherz entfernen. Ich gebe etwas Rauch und warte eine halbe Minute, damit sich die Bienen zurückziehen, um gegebenenfalls auch der Königin die Möglichkeit zu geben, in das Innere des Brutnestes zu entweichen.

Das Brutnest rühre ich nicht an, aber die Deckwaben, sofern sie noch nicht geputzt sind, wandern nun an die Außenwand beziehungsweise ganz heraus. An das Brutnest kommt, wenn keine Putzwabe vorhanden ist, eine junge, honigfeuchte Leerwabe, eine Mittelwand, das Leerrähmchen für den Drohnenbau, dahinter zwei weitere Mittelwände. Die genannte Reihenfolge begünstigt den Ausbau der beiden flankierenden Mittelwände zu seiten der entstehenden Drohnenwabe.

Würde ich den Drohnenbau gleich an die Außenwand geben, was später geschehen kann, wäre er nicht sofort für alle Völker erreichbar, was die Verformung der Mittelwände zu Drohnenbau begünstigen würde. Durch die Verwendung der Honigboxen wird die Freigabe des Honigraumes wesentlich beschleunigt. Die Bauzone steuert die Erweiterung des Brutnestes und den Ausbau der Mittelwände in der Frühtracht.

Während dieser kann es an einigen Tagen schon einmal klotzig honigen, auch, wenn man seine Bienen nicht im Raps stehen hat. Da ist es wichtig, dass die Völker Raum zur Nektarablagerung und Honigstapelung vorfinden. Sonst verhonigt das Brutnest und das betroffene Volk rüstet zum Schwarm. Andererseits befinden wir uns im Mai in einer Phase, in der es noch empfindliche Kälterückschläge geben kann. Die „Eisheiligen” zwingen die Völker oft noch einmal, sich eng zusammenzuziehen und eventuell den Honigraum wieder zu verlassen. Das ist bei der Längslagerbeute nicht weiter tragisch, können die Völker sich doch zu einer Seite hin – in diesem Falle nach hinten – relativ leicht abschirmen, während bei einem oberen Honigraum die Wärme nach oben entweicht. Dasselbe gilt für die Einheit des Brutraumes, der bei der Längslagerbeute immer aus einem Stück besteht. Hier rotiert das Brutnest von Seite zu Seite, ohne dass der Imker eingreifen muss. Anders ist es bei einem zweietagigen Brutraum, bei dem der untere gern von den Bienen zugunsten des oberen vernachlässigt wird und der Imker durch den Austausch der Zargen nachhelfen muss.

Die Hochwabe im Zusammenhang mit der Einheit des Brutraumes gewähren in der Längslagerbeute eine sichere Entwicklung der Völker, die andere Imker oft in Erstaunen versetzt.

Der Mai ist für mich die schönste Zeit zu imkern. Das Nachreichen der übrigen Honigboxen unterliegt keiner besonderen Eile.

Schwarmstimmung ist jetzt noch nicht zu befürchten. Die Frühtracht fördert den Ausbau der Mittelwände. Der hier und da gezogene, neu entstandene Drohnenrahmen sagt einiges zur Entwicklungsstufe des betreffenden Volkes aus.

Hoffnungsvoll reist der Imker von Stand zu Stand. Einzelne angehobene Honigboxen, die nun von den Bienen weiß ausgebaut werden, zeigen das Einsetzen der Tracht an und erfreuen das Herz des Imkers.

Der Löwenzahnhonig stellt heute jedes Jahr einen Anteil der Gesamternte meiner Völker, obwohl ich keine besonderen Vorkehrungen dazu treffe.

Erst nach der Frühtracht sehe ich mir meine Völker „von innen” an, worüber ich später berichten werde.

Anmerkung: Gerade der „Mai” in Wolfgang Golz' Jahreszyklus macht so recht deutlich, wie sich die Trachtverhältnisse und die Entwicklung der Völker im Laufe der Zeit verfrüht haben. Anfangs gibt er die Honigräume gegen Ende Mai frei. Später zu Anfang Mai mit gleichzeitiger Gabe des Drohnenrahmens. Schwarmverhinderung (Völkerdurchsicht) ist für ihn im ganzen Mai noch kein Thema. Das kommt heute selbst mir als Imker in der rauen Eifel befremdlich spät vor. Wie mögen sich die Trachtverhältnisse – bedingt durch die Änderung der landwirtschaftlichen Nutzung und durch den Klimawandel – weiterhin verändern? Wie werden unsere Bienen damit fertig werden?

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