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Auf Wald- und Moorständen – Imkern im Herzen der Landschaft

„Auf Wald- und Moorständen – Imkern im Herzen der Landschaft” ist eine Schrift von Wolfgang Golz, die er im Jahre 1990 im Selbstverlag herausgegeben hat. Ursprünglich war das eine Folge von 12 Aufsätzen, die 1985 in der „Nordwestdeutschen Imkerzeitung” durch das Jahr geführt haben. Darin erzählt er, oft in wunderbar poetischer Weise, von seinen Bienen, von der Landschaft, in der sie Nektar und Honigtau sammeln und von seinem Imkern und Züchten.

Hier mögen diese Texte nun noch einmal durch das Jahr führen, hier und da von Jörg Hinnerks mit kleinen Anmerkungen versehen.

 
 

September

Verregneter Sommer
Die Vögel verstummen im Garten,
und von der Nässe gebeugt trauern die Bäume.
Alle Blumen liegen brach.
Die Menschen stehen am Fenster und warten.
Es regnet in ihre Ferienträume.
Doch es regnet und regnet und auch noch danach.

 

In den Eichen

Wenn mit der Westdrift die Tiefdruckgebiete in kettenartiger Reihenfolge ihre Last über dem nassen Dreieck zwischen Elbe und Weser abladen, liegen die Blüten im Regen brach.

Die Bäume triefen unter den schwarzen Wolken und die Aussichten auf eine Tautracht werden mit jedem Tag geringer.

Dann sehnt sich der norddeutsche Imker nach sonnigen Gestaden, und er verfolgt mit Unbehagen die Wettervorhersagen, die in der Regel für den Norden das ungünstigere Wetter prophezeien.

„Blomen givt dat licht genog“, pflegten die alten Korbimker zu sagen, „dat liggt man nur an dat weer.“

Nicht allein, dass der Honigsegen ausbleibt, muß der Imker noch obendrein das schlechte Wetter bezahlen, in dem es ihn Futter kostet.

Garstige Sommer hat es mit Sicherheit auch früher gegeben, aber mir scheint, daß sie an Häufigkeit zunehmen.

War es einst eine Ausnahme, daß ich Jungvölker gefüttert habe, so ist es heute eher zur Regelmäßigkeit geworden. Standvölker zu unterstützen war allenfalls vorübergehend mit Trockenzucker nötig. Aber in den Jahren 1980, 1984 und teilweise auch 1985 war der Einsatz von Hartfutter wie Trockenzucker oder Maische eine dürftige Hilfe für die Völker, die zur Unterhaltung einer normalen Bruttätigkeit nicht ausreichte. Wochenlange Schlechtwetterperioden, in denen kein Nektar und Pollen in die Völker gelangen, bereiten dem Imker zusätzliche Mühe und Kosten. Bei der gelockerten Aufstellung der Völker ist der Transport heute ein weiterer Kostenfaktor. Der Heideimker, der mit dem Füttern seiner Bienen sehr vertraut war, hatte es da in mancher Hinsicht einfacher. Er hatte seine Völkerherde in der Regel dichter beisammen, scheute aber keine Mühe, das Futter am wirkungsvollsten einzusetzen.

Sieht man von der Fütterung mit Stampfhonig ab, der in der Hauptsache im Frühjahr gegeben wurde, weil er viel Pollen enthielt, so lag doch das Hauptgewicht auf der Flüssigfütterung. Die Futterteller aus Holz oder Steingut, mit Schwimmern aus zugeschnittenen Strohhalmen, standen zumeist aufnahmebereit unter den Körben.

Die Reizfütterung im Frühjahr, von der wir heute mit Recht abrücken, hatte für den Heidjer besondere Bedeutung, weil im beschränkten Raum des Korbes die Wabenfläche (ohne zu große Vorräte) zugunsten der Brut ausgenutzt wurde, um frühe und starke Schwärme zu erzielen. Darum fütterte der Heideimker lieber öfter in kleinen Portionen.

Heute gibt es Futtersorten, die der Bequemlichkeit des Imkers entgegenkommen, Futterteige, fertige Invertlösungen. Stülpeimer lassen sich an Ort und Stelle mit kaltem Wasser und Zucker füllen und aufsetzen. Es hat etwas für sich, ein 15 kg-Paket nicht verharschenden Futterteig in den Bienenkasten zu packen und damit die Auffütterung erledigt zu haben. Hier spielt natürlich auch der Zeitpunkt eine wesentliche Rolle, ob ich früh genug damit auffüttern kann.

Je länger ich jedoch imkere, desto mehr bin ich davon überzeugt, daß es, vom Honig abgesehen, kein besseres Futtermittel für die Bienen gibt als flüssige Zuckerlösung. Zweifellos kommt sie in ihrer Beschaffenheit dem Nektar am nächsten, und die Bienen können sie am mühelosesten aufnehmen und verarbeiten. Darüber hinaus ist sie auch am ergiebigsten. Ein kg Zucker als Teig verabreicht bringt nicht so viel Winterfutter wie ein kg Zucker in flüssiger Lösung verfüttert. Das liegt nicht allein daran, dass der Teig langsamer aufgenommen wird und die Bienen einen Teil davon mehr verbrüten. Entscheidender dürfte beim Teig der Energieverbrauch der aufbereitenden Bienen sein, was gleichzeitig eine höhere Strapazierung bedeutet. Einem starken Volk, so wird argumentiert, macht das nichts aus, und das wird auch in den meisten Fällen zutreffen. Aber ebenso sicher gibt es im Laufe der Jahre auch immer wieder Zusammenhänge, die unsere Völker in eine kritische Situation bringen, in der ihr Überleben oder wenigstens ihre zufriedenstellende Überwinterung auf dem Spiel steht.

Die Auffütterung stellt ohnehin gewöhnlich eine zusätzliche Belastung des Bienenvolkes dar.

Auffüttern.jpg
Starkes Volk in der Längslagerbeute während der Auffütterung.
Foto: Der Verfasser

Wir kennen inzwischen den Unterschied zwischen einem frühzeitig, sozusagen noch in seiner Trachtphase aufgefüttertem Bienenvolk und einem, das nach der Beanspruchung einer Spättracht noch eine späte Auffütterung bewältigen muß. In letzterem Fall läßt sich der Substanzverlust, zum Teil schon wesentlich durch die Spättracht verursacht, nicht mehr im selben Jahr und auch nicht im zeitigen Frühjahr (vor der Frühtracht) ausgleichen. Solche Völker gehen schwächer in den Winter und wintern folglich auch schwächer aus. Es gab schon manche Überlegung dazu, dieses Manko auszugleichen, z. B. durch sogenannte Futtermacher. Völker, die im Sommer Zuckerwasser verarbeiten und verdeckeln, mit dem die einzuwinternden Völker versorgt werden sollen. Ich denke, das sind mehr theoretische Überlegungen, die zwar möglich, aber in der Praxis doch zum Scheitern verurteilt sind. Da ist es schon angebrachter, die Völker schonender einzuwintern, in dem man ihnen einen angemessenen Teil Honig belässt. Beim Blütenhonig sind da keine Grenzen gesetzt. Dagegen wird man beim Tauhonig Vorsicht walten lassen. Die Hochwabe, wie ich sie in der Längslagerbeute verwende, hat den Vorteil, dass auf den Brutwaben beim Abernten immer ein kleiner Honigkranz verbleibt, an den die Völker erst im Frühjahr gelangen. Ich scheue mich auch nicht, nach einer starken Tautracht auch etwas mehr dunklen Honig in den Völkern zu belassen, was zwangsläufig bei spät verhonigenden Brutnestern anfällt. Als Standimker kann ich auch nicht mit meinen Bienen abwandern, weil hier die Tautracht nicht auf ein bestimmtes Waldgebiet beschränkt ist. Dann müssen eben die Bienen in der Lage sein, auch auf einem Teil dunklen Honigs zu überwintern. Das klappt natürlich nur, wenn sie artig und lange stillsitzen. Solche Probleme lassen sich nur durch die Auslese regeln.

Neben der Verfütterung von Zucker in verschiedener Form beschäftigt den Imker immer wieder der Ersatz von Pollen. Allgemein herrscht die Vorstellung, dass viel Pollen einen guten Bruteinschlag zeitigt und Pollenmangel die Bruttätigkeit wesentlich einschränkt. Die Untersuchungen von Wille bestätigen diese Annahme nicht.

Gewöhnlich können sich die Völker auch leichter mit Pollen als mit Nektar versorgen. Nach meinen Erfahrungen hat es noch immer genügt, die Bienen in Notzeiten mit Kohlehydraten zu füttern. Man wird auch leicht feststellen, dass gefütterte Völker mehr Pollen eintragen als unversorgte, eine ganz logische Folge, weil bei den trocken stehenden Völkern die offene Brut reduziert ist und der Anreiz zum Pollensammeln nachlässt. Die Menge des zur Zeit der Auffütterung vorhandenen Pollens dürfte auch keinen Einfluss auf die Überwinterung haben, wie verschiedentlich behauptet wird. Ich denke an den total verregneten Sommer 1980, aus dem die Völker mit minimalen Pollenvorräten in den Winter gingen. Diese Völker hatten jedoch im Winter einen ganz geringen Totenfall und winterten erstaunlich gut aus.

Zucker ist heute im Verhältnis zum Honig immer noch preiswert. Das verleitet zum massiven Einsatz, zur Erstellung von Völkern, einer oft quantitativen Masse an Bienen und Völkern, der es aber an Qualität bezüglich ihrer Lebensstabilität fehlt. Somit spielt der Zucker eine wesentliche Rolle. Energie bedeutet Kraft, aber auch Gefahr. Der Zucker wird dort zur Gefahr, wo er nicht nur Honig-Ersatz ist, sondern auch Energie des Bienenvolkes ablöst.

Dabei lassen Fehljahre, verregnete Sommer, über die Qualität eines Standes und seiner Besatzung manchmal bessere Schlüsse zu als gute Ernten. Manche Völker sind wie ein Fass ohne Boden, andere braucht man nie zu füttern. Auch Notzeiten können darum ein guter Auslesefaktor sein. Wer Auslese betreibt, wird jede Maßnahme an den Völkern zu ihrer Beurteilung verwenden.

Auf dem Stand „In den Eichen“ fallen zwei Völker bei anhaltendem Schlechtwetter auf, in dem sie äußerst sparsam mit dem Futter umgehen. Das eine Volk ist ein Hüngler, das andere ist trotz eines großen Brutnestes im Gegensatz zu anderen Völkern immer besser bevorratet; keine Frage, dass ich letzteres bevorzuge.

Mit der Darreichung der letzten Rationen kehrt in der Imkerei wieder eine geruhsamere Zeit ein. Man sieht die Völker noch einmal und schätzt die letzte Ration an ihrer Stärke ab. Auch darin ist die Flüssigfütterung überlegen. Sie ist schneller aufteilbar. Zuckerlösung, die nach dem Honig nun einmal das beste Bienenfutter ist, läßt sich, je größer die zu erstellende Menge ist, desto leichter herstellen. In eine der abgebildeten Tonnen passen drei Zentner Zucker hinein. (Anmerkung: Im Originaltext fehlt das entsprechende Bild.) Das heiße Wasser, in dem sich der hineingeschüttete Zucker sofort auflöst, wird aus dem Boiler der Hausheizung bezogen. Ein Meßstab gibt den benötigten Wasserstand, je Zentner unterteilt, an. Der Meßstab dient gleichzeitig dazu, den abgesetzten Zuckerrest noch einmal aufzurühren und schon kann abgefüllt werden.

Das Abfüllen in die Futterkanister ist für den Imker immer eine Verschnaufpause, weil es im Sitzen ausgeführt werden kann.

 

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